Cold Brew – Kaffee, aber anders!

22 | 06 | 2021

Cold Brew – die Kunst, Kaffee mit kaltem Wasser zu extrahieren – zeigt, dass Kaffee nicht immer aus der Kaffeemaschine kommen muss. Um Cold Brew herzustellen, gibt es zwei unterschiedliche Methoden – einmal das Cold Brew Prinzip und einmal das Cold Drip Verfahren.

Variante 1: Cold Brew

Für das Cold Brew Prinzip empfehlen wir, ein Brühverhältnis von 1:10 (z.B. 100g Kaffee: 1000ml Wasser). Der Aufguss kann in eine beliebige Kanne gegeben werden. Wir verwenden dafür die Carl Henkel Arca X Tract Kanne, welche man aber gut durch eine French Press ersetzen kann. Um die Extraktion zu intensivieren, empfiehlt es sich, das Kaffeemehl „Bloomen“ zu lassen. In unserem Fall, 100ml 95°C heißes Wasser auf das Kaffeemehl geben und gut verrühren. Dadurch kann das Co2 besser entweichen und erlaubt eine exzellente Herausarbeitung des Kaffeegeschmacks. Das nun ca. 30 Sekunden „gebloomte“ Kaffeemehl wird jetzt mit dem restlichen Wasser aufgegossen. Wie lange ein Cold Brew brühen sollte, ist Geschmackssache. Wir empfehlen eine Brühzeit von 2-4 Stunden und anschließender Lagerung im Kühlschrank. Der fertige Cold Brew ist bei richtiger Lagerung bis zu einer Woche genießbar.

Variante 2: Cold Drip

Bei dem Cold Drip Verfahren tropft ein Wassertropfen über sechs und mehr Stunden auf das Kaffeepulver. Mit einem Dosierer lässt sich die Geschwindigkeit der Tropfen einstellen. Da der Wasserdruck des oberen Gefäßes abnimmt, muss häufiger die Tropfgeschwindigkeit reduziert werden. Wir empfehlen eine Geschwindigkeit von 1,5- 2,0 Tropfen pro Sekunde und ebenfalls ein Brühverhältnis von 1:10 (z.B. 100g Kaffee und 1000ml Wasser). Der Cold Drip sieht spektakulär aus und wird deshalb gerne in Cafés benutzt.

Woher kommt kalter Kaffee?

Das Cold Brew Kaffee aktuell im Trend ist, ist nicht zu übersehen. Tatsächlich ist diese Zubereitungsmethode aber schon viele Jahrhunderte alt. Bereits im 17. Jahrhundert sollen niederländische Händler auf Ihrem Weg durch Asien Kaffee kalt zubereitet haben. Der Cold Brew Kaffee hatte für sie den großen Vorteil, dass er wesentlich einfacher zubereitet und leichter, auch in großen Mengen, transportiert werden konnte. Außerdem waren kalte Getränke in den tropischen Gebieten des heutigen Indonesiens deutlich angenehmer zu trinken als ein heißer Kaffee.

Demnach waren es damals die äußerlichen Umstände, die die kalte Zubereitung von Kaffee als Alternative hervorriefen. Natürlich gibt es auch heute noch heiße Sommertage, an denen ein kühles Getränk einfach besser schmeckt. Aber viel wichtiger ist der charakteristische Geschmack eines kalt aufgebrühten Kaffees. Bei der langsamen Zubereitung bei Zimmertemperatur werden deutlich weniger Bitterstoffe freigesetzt als bei der herkömmlichen Methode. Auch enthält ein Cold Brew Kaffee zwar wesentlich weniger Säure als das heiße Gegenstück, hat dabei aber trotzdem kaum weniger Geschmacksstoffe.

Was macht Cold Brew so einzigartig?

Kaffee ist ein sehr facettenreiches Genussmittel. Er besteht aus hunderten von verschiedenen chemischen Verbindungen und birgt über 800 Aromen. Wie bei jeder chemischen Verbindung werden die Moleküle im Kaffee von verschiedenen Temperaturen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten freigesetzt. Manche, so wie Koffein, werden immer freigesetzt. Andere nur bei hohen bzw. bei niedrigen Temperaturen. Und manche dieser Moleküle sind nicht erwünscht, wie z.B. viele der Bitterstoffe. Je nachdem, wie Sie Ihren Kaffee extrahieren, schmecken Bohnen der gleichen Kaffeesorte also völlig anders. 

Kaffee beinhaltet über 800 verschiedene Aromastoffe! Welche davon besonders zur Geltung kommen, ist Beeinflussbar durch verschiedene Faktoren, wie die Zubereitungsart und die Temperatur des Wassers.

Und das ist der Grund, weshalb Cold Brew so begehrt ist. Es ist Kaffee, aber anders. Denn die meisten kalt gebrühten Kaffees erhalten kaum Bitterstoffe und sind sehr säurearm. Außerdem finden Sie oft florale oder fruchtige Noten, die durch das schonende Herstellungsverfahren besonders betont werden. Manchmal schmeckt Ihr Cold Brew sogar nach Nuss oder Schokolade. Typisch für kalt gebrühte Kaffeeextrakte ist zudem eine natürliche Süße. So bietet sich der Cold Brew etwa auch als Zutat für Desserts oder Cocktails an.

Unser Cold Brew Rezept

Zutaten

  • 100g frisch gemahlener Kaffee (grober Mahlgrad)
  • 1 Liter kaltes Wasser
  • Eiswürfel

Schritt 1 – kaffeesorte und Mahlgrad wählen

Nehmen Sie am besten ganz frisch und grob gemahlenen Kaffee. Der grobe Mahlgrad ist wichtig, damit der Kaffee nicht überextrahiert, ganz besonders bei der langen Ziehzeit. Die Cold Brew Methode offeriert Ihnen in der entstehenden Essenz nur das Beste der Kaffeebohne. Generell eignet sich jede Kaffeesorte für unser Cold Brew Rezept. Feine Nuancen des Kaffees bilden sich bei der Methodik wunderschön heraus. Bitterstoffe und Säure werden reduziert. Besonders die Fruchtigkeit eines Kaffees kommt gut zur Geltung. Unser Tipp – der Brasil Fazenda Santa Luzia, er überzeugt als Cold Brew mit seiner samten und durchaus ausbalancierten Kakaonote.

 

Schritt 2 – Kaffee in den Kaffebereiter oder das Gefäß füllen

Nun wird der grob gemahlene Kaffee in den Kaffeebereiter oder das Gefäß gegeben. Wir empfehlen einen Kaffeebereiter, mit dem Sie nach der Extraktionszeit direkt filtern können, z.B French Press, Chemex oder die AeroPress.

Schritt 3 – blooming

Erhitzen Sie 100ml von dem kalten Wasser auf 90,5°C bis maximal 95°C . Gießen sie es anschließend langsam auf das Kaffeemehl, so dass es gleichmäßig mit Wasser bedeckt ist. Geben Sie die restlichen 900ml nach einer Ziehzeit von 30 Sekunden auf das Kaffeemehl.

Schritt 4 – Vorsichtig umrühren

Einmal vorsichtig durchs Kaffeemehl rühren und anschließend abdecken.

Schritt 5 – Extrahieren lassen

Den Cold Brew nun für 2-4 Stunden möglichst bei Zimmertemperatur extrahieren.

Schritt 6 – Filtern

Nach der gewählten Extraktionszeit kommt das Filtern des Cold Brew Coffee. Je nach verwendetem Kaffeebereiter können Sie direkt oder in ein anderes Gefäß filtern. Bei der French Press können Sie den Pressstempel drücken und dann den Coffee abfüllen. Durch den sehr groben Filter beinhaltet das fertige Produkt jedoch noch viele Schwebstoffe, sowie Kaffeeöl. Ein feineres Endresultat erreichen Sie mit einem Papierfilter, wie mit dem Handfilter, einer Chemex oder der AeroPress. Aber dies ist Geschmackssache und lässt viel Spielraum zum Experimentieren.

Schritt 7 – Kaltstellen und Genießen

Anschließend können Sie Ihren Cold Brew nun zum Kühlen in den Kühlschrank stellen, in dem er sich problemlos bis zu einer Woche lagern lässt. Nun benötigen Sie nur noch ein Glas und ein paar Eiswürfel, um Ihren Cold Brew Kaffee zu genießen.

Schritt 8 – Lagerung

Damit Ihr Cold Brew möglichst lange genießbar bleibt, empfiehlt es sich, diesen in eine luftdichte Flasche zu füllen und im Kühlschrank zu lagern.

Wer möchte, kann seinen Cold Brew auch mit einem leckeren Tonic Water aufpeppen. Dabei empfehlen wir jedoch eine längere Extraktionszeit von etwa 8-12 Stunden. Das Mischverhältnis sollte hier 1:1 sein, z.B. 150ml Cold Brew, 150ml Tonic Water.

Als kleiner Tipp: Wenn Sie zuerst Eiswürfel und Tonic und danach den Cold Brew langsam einfüllen, entstehen Schichten im Glas. Das Auge trinkt schließlich mit!

Unser fazit

Der Cold Brew Kaffee begeistert uns durch seinen unvergleichlichen, besonderen Geschmack. Jede Kaffeesorte schmeckt man durch die kalte und lange Extraktion in den feinsten Nuancen. Anders als bei Eiskaffee & Co., welche meist mit löslichem Kaffeepulver zubereitet werden, ist hier der Rohstoff eine natürliche, wertvolle Kaffeebohne, die nicht weiterbehandelt wurde. Der Cold Brew Kaffee ist die perfekte Kaffee Alternative für andere koffeinhaltige und zumeist ungesunde Getränke. Durch die Vielfalt an Zubereitungsmöglichkeiten ist der Cold Brew ein echter Allrounder und macht Liebhaber von Milchkaffee, aber auch Espresso Genießer glücklich.

Vorteile 

  • Wenn Sie Liebhaber von Eiskaffee und Café Frappé sind, dann werden Sie den Cold Brew Kaffee lieben. Eine herrlichere Erfrischung an heißen Sommertagen gibt es nicht für Freunde von Kaffeespezialitäten.
  • Durch die schonende Extraktion enthält der Cold Brew Kaffee nur das Beste aus der Kaffeebohne. Die Kaffeesäure wird auf ein Minimum reduziert, Bitterstoffe abgebaut und der entstehende Geschmack ist mit einem heißen Kaffee nicht zu vergleichen.

Nachteile

  • Die lange Extraktionszeit. Sicher bedarf es einer längeren Ziehzeit als bei heiß aufgebrühtem Kaffee, bis der Cold Brew Kaffee endlich verzehrt werden kann. Aber hat es nicht auch etwas Positives in Zeiten von „Knopfdrücken – Kaffee fertig“, wenn das Kaffee zubereiten zu einem Ritual wird? 

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