Kaffee hat eine lange Tradition in Myanmar. Plantagen existieren seit den 1930er Jahren. Nach der Machtübernahme 1962 durch das Militär wurde der Kaffeeanbau stark vernachlässigt. 1980 startete die Regierung einen Kaffeekultivierungsplan – trotz der staatlichen Unterstützung wechselten die Bauern auf andere Anbau-Kulturen mit attraktiveren Preisen. Mit dem demokratischen Reformprozess kam dann ab 2011 eine stetige Markt- und somit Preisliberalisierung und der Myanmarkaffee fand seinen Weg zurück auf die Weltkarte.  

Die Reise beginnt in Pwin Oo Lwin (früher auch Maymyo genannt). In seinem neu eröffneten Spezialitäten Coffee Shop offeriert uns Ye Naing, der junge Inhaber, frisch gebrühten lokalen Kaffee. Den Rohkaffee, den Ye Naing selber röstet, stammt aus kleinbäuerlicher Erzeugung in der Provinz Mandalay, östlich von Pwin Oo Lwin. Durch die familieneigene Farm wird ein Link von dem Strauch bis in die Tasse möglich. Produktion, Rösterei und Absatz kommen aus einer Hand. 

Den zweiten Besuch statten wir der Mandalay Coffee Group (MCG), dem wichtigsten Kaffeeexporteur in Myanmar, ab. Hier erhalten wir Einblicke in die Weiterverarbeitung der Kaffeekirschen, welche alle von Hand gepflückt sind. Die Mehrheit der Produzenten in dieser Region sind Grossgrundbesitzer. Sie besitzen Grundstücke im Umfang von 15-150 Hektaren. Der Kaffee wächst im Schatten von Avocadobäumen, Macadamiabäumen oder Silbereichen. 

Die Reise geht weiter nach Shan State. Die meisten Produzenten in Shan State gehören einer Kleinkooperative an. In dieser Region gibt es mittlerweile über 140 kaffeeproduzierende Familien aus 40 Dörfern. Vereint sind diese in 10 Kooperativen – davon 2 Frauenkooperativen. Die meisten Produzenten in Shan State bauen biologischen Kaffee an. Bislang fehlten aber die notwendigen Mittel, um den Kaffee zertifizieren zu lassen.  

Myanmar ist ein Land, das dem Kaffeegeschäft mit Hoffnung und Leidenschaft entgegensieht. Während der Kaffeereise merken wir, wie in Myanmar eine neue Generation von Kaffeeproduzenten heranwächst. Mit der Hoffnung, nach dem Stillstand und der Isolation nun ein lukratives Kaffeegeschäft aufzubauen, sind die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer hochmotiviert. Bisher ist die Kaffeeproduktion noch relativ gering, sodass das Land dem Kaffeeanbau viel Potenzial bietet. Wir sind gespannt, was sich hier in den nächsten Jahren noch alles entwickelt.